Wirksamer Klimaschutz im Heizungskeller
Am 18. Februar 2026, knapp eine Wocher vor der Präsentation des Eckpunktepapiers der Regierungskoalition, fand in Berlin unter dem Titel „Wirksamer Klimaschutz im Heizungskeller – Neuer Ansatz soll Verbraucher entlasten“ eine bemerkenswerte Pressekonferenz statt: Drei unterschiedliche Verbände legten aus ihrer Sicht die Schwachstellen des alten GEG dar und präsentierten einen gemeinsam erarbeiteten Verbesserungsvorschlag.
Bei den beteiligten Verbänden handelte es sich um:
- en2x – Wirtschaftsverband Fuels & Energie e.V., vertreten durch seinen Hauptgeschäftsführer Prof. Christian Küchen
- Deutscher Verband Flüssiggas e.V. (DVFG), vertreten durch seinen Hauptgeschäftsführer Dr. Andreas Stücke und
- Haus und Grund Deutschland, Deutschlands größter Verband für private Haus-, Wohnungs- und Grundeigentümer, vertreten durch seinen Präsidenten Dr. Kai Warnecke.
Moderator Alexander von Gersdorff, Pressesprecher und Leiter Öffentlichkeitsarbeit bei en2x, fasste zu Beginn kurz die momentane Lage zusammen: Der Absatz von Heizungen befand sich 2025 auf einem 15-Jahres-Tief. Das GEG bringt hohe bürokratische Pflichten mit sich und hohe Kosten für Verbraucher, was sich als kontraproduktiv für die klimapolitischen Ziele im Gebäudesektor auswirkte. Investitionen wurden verschoben, weil man erst die Ergebnisse der kommunalen Wärmeplanung abwarten will.
Prof. Küchen wies darauf hin, dass auf Verbraucher durch die 65 %-Erneuerbare-Vorschrift nach dem Einbau einer kostspieligen neuen, effizienten Heizung höhere Kosten zukommen als vorher – auch bei 20 % Energieeinsparung. Er sieht ein Hauptproblem des Gesetzes darin, dass es Verbraucher davon abhält zu investieren. Dazu komme: Wärmepumpen sind nicht immer die sinnvollste Lösung. Um die Klimaziele zu erreichen, gehe es darum, möglichst schnell einen Hochlauf erneuerbarer Energien im Gebäudebereich zu erzielen.
Vor diesem Hintergrund brachte der Zusammenschluss von Hausbesitzern und Energieversorgern einen gänzlich neuen Ansatz ins Spiel, mit dem die bestehenden Herausforderungen im Rahmen des GMG gelöst werden können – und zwar verbraucherfreundlich und technologieneutral:
Anstatt die wenigen Verbraucher, die modernisieren, zu einem 65 %-Erneuerbaren-Anteil zu verpflichten, soll man die Verantwortung auf die Inverkehrbringer der nichtleitungsgebundenen Energien wie Flüssiggas und Heizöl übertragen. Sie sollen schrittweise über eine steigende Quote erneuerbare Energien für ALLE Verbraucher in den Markt bringen– analog zum Straßenverkehr und zur Fernwärme. So ließen sich mit viel geringeren Beimischquoten sogar bessere CO2-Einsparungen erzielen. Außerdem spare mit dieser Lösung jeder, der seine Heizung austauscht, im Anschluss wirklich Energie.
Dr. Warnecke wies auf einen weiteren Vorteil des Gemeinschaftsvorschlags hin: Vorhandene Netze kämen bereits heute an ihre Grenzen, für „all electric“ stehe Strom nicht ausreichend zur Verfügung. Außerdem sei in Deutschland Strom eine der europaweit teuersten Energiequellen. Mit grünen Molekülen hätte man bereits heute Alternativen, die auch in 20 Jahren noch genutzt werden könnten, um erneuerbare Energie in die Gebäude zu bekommen. Dadurch könne man Kosten für evtl. notwendige Übergangsheizungen vermeiden – Kosten, die umgelegt zu explodierenden Mieten führen würden. Zudem würden dadurch bürokratische Pflichten entfallen
Dr. Stücke betonte die Vorteile aus Sicht der Energieversorger: Sie könnten nach dem Vorschlag alle Kunden (aktuell 620.000 Haushalte im nicht leitungsgebundenen, überwiegend ländlichen Raum) mit dem identische Produkt beliefern, was sich positiv auf Logistik und Verwaltungsaufwand auswirken würde. Stücke plädierte auch für die Streichung der Länderöffnungsklausel. Ein einheitlicher Rahmen auf Bundesebene würde weiteren Bürokratieaufwand ersparen.
Neue Energieträger würden aller Voraussicht nach mehr kosten als die fossilen, das räumte Prof. Küchen ein. Allerdings würde es einen Impuls für den Heizungsmarkt bedeuten, wenn sich Effizienzsteigerung durch Renovierung wirklich für den Kunden auszahle.
Die Verbändevertreter waren sich einig:
Grüne Moleküle sind einfach, planbar, verlässlich und resilient. Sie eignen sich hervorragend, um das Stromnetz zu entlasten und Spitzenlasten abzufedern. Die Klimaziele sind allein mit Wärmepumpen nicht mehr zu schaffen – die Diversifizierung des Heizungssystems kann die Erreichung der Ziele positiv beeinflussen. Angestrebt wird eine friedliche Koexistenz von Strom und grünen Molekülen. Ausgangsstoffe für deren Produktion seien ausreichend vorhanden, das würden zahlreiche realistische Studien belegen. Der Einsatz grüner Moleküle kann ein probates Mittel sein, den gegenwärtigen Investitionsstau aufzulösen.
Wie das Eckpunktepapier der Regierungskoalition vom 24. Februar zeigt, sind die Verbändevorschläge bei den Politikern durchaus auf offene Ohren gestoßen …
www.en2x.de
www.dvfg.de
www.hausundgrund.de
