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Wachablösung in der Autogas-Branche: OEM-Lösungen sind jetzt gefragt


Die 63. Internationale Automobilausstellung wirft ihre Schatten voraus. Wer sich im Vorfeld allerdings über das Thema LPG informieren will, wird auf der I­nternetseite nicht recht fündig. Der Grund dafür: Elektrofahrzeuge stehen im Fokus der automobilen Leitmesse. Autogas ist, was die Kommunikation angeht, für fast alle Hersteller mittlerweile ebenso selbstverständlich wie Benzin oder Diesel geworden. Noch nie wurde auf der IAA ein so breites Spektrum an Fahrzeugen mit Autogasantrieb vorgestellt wie in diesem Jahr. Schon alleine deshalb lohnt sich der Besuch in Frankfurt am Main.

 

 

Der Ford Focus mit dem 2.0-Liter-Duratec-Motor stand am Anfang der LPG-Ära des Kölner Konzerns. Dank gehärteter Ventile und Ventilsitze ist das zuverlässige Triebwerk auch im LPG-Betrieb haltbar.

Die OEM haben die Produkte in ihre Angebotspalette integriert und erkannt, dass LPG die Probleme von heute löst, während Elektroantriebe immer noch Visionen von morgen sind. Ein Meilenstein für die Branche ist auch die Tatsache, dass VW, Ford und Opel jetzt auch LPG-Fahrzeuge ab Werk liefern, und zwar mit allen Leistungen, die man von einem Hersteller erwartet. Mercedes sitzt in den Startlöchern und bei BMW brodelt die Gerüchteküche, auch wenn noch nichts Offizielles aus der Münchener Zentrale verlautbart wurde.

 

Opel: Halle 8, A04
Der virtuelle Messerundgang sollte natürlich bei Opel starten. Gleich fünf Modelle brachten die Rüsselsheimer erst vor wenigen Tagen auf den Markt. Corsa (2), Meriva, Asta Caravan und Zafira mit einer Bandbreite von 57kW (78 PS) bis 100 kW (136 PS) werden künftig als reinrassige OEM-Lösung angeboten. Die Anlagen liefert Landirenzo, mit dem Opel schon gute Erfahrungen sammelte, als das Thema Autogas noch in den Händen des für Sonderumbauten zuständigen Tuners Irmscher lag. Ein Großteil der Opel-Vertragswerkstätten sind bereits auf Gasumbauten durch Irmscher geschult, so dass sich die OEM-Lösung ohne weiteres adaptieren lässt. Besonders interessant: Opel stattet viele Behörden mit Dienstfahrzeugen aus, hier liegen klassische Ansatzpunkte für behördeneigene Gastankstellen vor, die den LPG-Fahrzeugen wesentliche Kos­tenvorteile gegenüber dieselbetriebenen Dienstfahrzeugen bescheren. Und da die Bandbreite an Modellen, die Opel liefert, recht groß ist, liegen hier durchaus Chancen für die Flüssiggasversorger. Dass die Rüsselsheimer aber mit solch einer Größenordnung das Thema LPG angehen, zeigt auch die konzerninterne Gewichtung: Das Thema "Erdgas" ist mangels Absatzmasse beendet, größere Verkaufsvolumen bei wesentlich geringeren Entwicklungskosten erwartet man von den LPG-Fahrzeugen, auch wenn man das bei Opel nur hinter vorgehaltener Hand kommunizieren darf.


Ford:  Halle 3.1, A18
Ford hat schon früh auf LPG gesetzt und zeigt auf der IAA den aktuellen Stand der Dinge Auf Focus folgte der Mondeo, der sogar trivalent mit Bio-Ethanol, Benzin und natürlich Autogas unterwegs ist. Jetzt haben die Kölner auch noch den Fiesta mit Gaskomponenten von BRC ausgestattet. Das fördert natürlich die Verkaufszahlen nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien, wo die Fahrzeuge dank der Typ-2-Homologation Zugang zu den staatlichen Fördertöpfen haben. Nimmt man die Zuschüsse der örtlichen Flüssiggas-Versorger dazu, summiert sich der Bonus für Autokäufer in Italien gut und gerne auf 3.000 Euro und übersteigt damit den Kaufpreis der Gasanlage. Während in Italien alle Fahrzeuge bei BRC umgerüstet werden, übernimmt das Fordwerk in Saar­louis die Umbauten am Focus und der Fiesta soll nach ersten Angaben direkt in Köln gefertigt werden. Ähnlich wie bei allen anderen Herstellern kann auch Ford der Nachfrage kaum gerecht werden.

Fährt mit Autogas, Bio-Ethanol und Benzin gleichermaßen zuverlässig: Der Ford Mondeo, eines der wenigen trivalenten Fahrzeuge ab Werk.


Volkswagen: Halle 3, A01
Auch VW setzt auf der IAA auf die Karte LPG. Die Modelle Golf und Golf Plus mit dem 1,6-Liter-Saugmotor erhalten ebenfalls mit Gasanlagen von Landirenzo ihre schottisch-sparsame und ökologisch korrekte Seele eingehaucht. Diese erste Entwicklungsstufe im VW-Konzern hat nicht nur in Deutschland, sondern auch in Italien und den Niederlanden sowie Belgien richtig gezündet. In der VW-internen Abteilung VW Individual, in der die Gas-Golfs einen Zwischenstopp zur Umrüstung einlegen, kann man sich derzeit über Arbeitsmangel nicht beklagen. Die Flaute im OEM-Geschäft kennt man hier nur vom Hörensagen. Das kann auch Stefano Zanichelli, der die Geschicke vom Landirenzo in Deutschland im Wesentlichen leitet, bestätigen: "Genau wie früher hochwertige Stereoanlagen den Weg von der Nachrüstung zur Serienfertigung fanden, wird es auch mit dem Thema LPG sein. Die Zukunft liegt klar im OEM-Geschäft." Recht hat er, denn da gehen die Bestrebungen hin, was allerdings für die gesamte Branche vorteilhaft sein dürfte.

BiFuel heißt das Zauberwort - auch bei Volkswagen. Mit dem Golf 1.6 in der Normal- und Plusversion haben die Wolfsburger den Einstieg in das LPG-Geschäft gewagt. Insider sind sich sicher: Weitere Modelle folgen.

 

KIA Motors Deutschland:Halle 3.1, A19
Unbedingt einen Besuch abstatten sollte man dem KIA-Stand, denn wenn man den Ankündigungen glauben schenken darf, präsentiert KIA erstmals den KIA Forte LPI Hybrid, ein Fahrzeug mit kombinierter Flüssiggaseinspritzung und Elektroantrieb. Das zunächst nur für den koreanischen Markt bestimmte Modell soll aber schon Ende dieses Jahres in größerer Stückzahl in der deutschen KIA-Zentrale angeliefert werden, um für einen Feldversuch auch in Europa zur Verfügung zu stehen. Wie ernst es KIA damit meint, zeigt allein die Entwicklung: Bis zur Serienreife fielen Kosten von 130 Millionen Euro an, von denen allerdings jeder Cent gut investiert sein dürfte: 5,6 Liter Flüssiggas auf 100 Kilometer und ein CO2-Ausstoß von 99 Gramm pro Kilometer sind die Eckdaten, die nicht nur die Mine des Umweltministers strahlen lassen sollten. Der 114-PS-Motor sorgt für ordentlichen Vortrieb, unterstützt von einem 20-PS-Elektromotor, der seine Kraft aus einer 180-Volt-Lithium-Polymer-Batterie bezieht. Da ein Benzintank für das Fahrzeug gar nicht erst geplant wurde, soll der Feldversuch nur in Ländern mit einer guten Autogas-Infrastruktur stattfinden und da gehört Deutschland mit dazu. Übrigens wurden die Zielgruppen für den Versuch noch nicht definiert …

Die automobile Zukunft? Der KIA Forte verzichtet ganz auf den Benzintank. LPG und ein Elektromotor sorgen für den sparsamen, aber nicht spaßarmen Vortrieb.

 

Renault: Halle 3.1, A02;
Dacia: Halle 3.1, A10
Die Franzosen nehmen sich verstärkt des Themas Autogas an, was kaum verwundern mag, denn in Frankreich gibt es ebenfalls Zuschüsse in nicht unbeträchtlicher Höhe beim Kauf eines Fahrzeuges mit Autogas. 3000 E  und mehr sind in der Grande Nation keine Seltenheit. Auf der IAA wird insbesondere der Dacia Logan MPV gezeigt, der mit einer Gasanlage von Landirenzo ausgestattet ist. Für den Service unterstützt neuerdings der Ilsfelder Lovato-Generalimporteur ecoengines die Renault- und Daciahändler, da ecoengines mit seinem flächendeckenden Netz von weit über 700 geschulten Partnerbetrieben als eines der führenden Unternehmen dazu prädestiniert ist. Schließlich gehört Lovato zur Landirenzo-Gruppe.

Dacia-Modelle mit LPG wie der Sandero sind gefragt und werden natürlich auch in Frankfurt gezeigt.

Citroen: Halle 8.0, A 24
Eher mit kommunikativ gebremstem Schaum, aber nachhaltig in der Umsetzung geht Citroen das Thema LPG an. Ein großer Teil der Werkstätten ist mittlerweile geschult auf den Einbau der Teleflex-Anlagen und die bestehende Modellpalette wird ständig erweitert. Daran sollte sich auch nach der Übernahme von Teleflexgfi durch BRC, genauer gesagt durch die Holding Fuel Systems Solutions nichts ändern. Im Gegenteil, man erhofft sich dadurch eine weitere Belebung des Geschäfts durch zusätzliche Synergieeffekte. Auf der IAA bietet Citroen umfangreiches Informationsmaterial und Ansprechpartner zum Thema LPG.

Subaru: Halle 8, D 18
Die Einführung des Boxer-Diesels hat dem Autogasgeschäft von Subaru keinen Abbruch getan. Jens Becker, Geschäftsführer von Subaru Deutschland blickt angesichts der Entwicklung recht positiv in die Zukunft: Immerhin 40 % der Subaru-Gesamtzulassungen in Deutschland sind mit Teleflex-Anlagen ausgestattet. Daran wird sich bei der Marke, die traditionell mit dem Thema LPG stark verbunden ist, auch in Zukunft nichts ändern. Premiere in Frankfurt feiert der neue Legacy, das Flaggschiff von Subaru. Natürlich auch mit LPG.

Chevrolet: Freigelände vor Halle 10
Dank der Last-Minute-Zusage ist Chevrolet jetzt doch auf der IAA vertreten. BRC-Anlagen haben die nicht unbedingt zu den sparsamen Triebwerken gehörenden Motoren in Sachen Treibstoffkosten erheblich eingebremst. Man könnte sogar behaupten, dass Chevrolet seinen Erfolg in der Vergangenheit auf dem Thema LPG aufgebaut hat. So gilt es denn auch, in Frankfurt ein klares Bekenntnis pro Autogas abzugeben, was an den Exponaten unschwer zu erkennen ist. Besucher, die sich für den preiswerten Kraftstoff interessieren, haben Gelegenheit, einige Fahrzeuge aus der Chevrolet-Palette Probe zu fahren.



Fazit
Angesichts der steigenden Zahl von OEM-Fahrzeugen mit Autogas darf man vorsichtig darüber diskutieren, ob der Begriff "Alternativkraftstoff" für Autogas noch zeitgemäß ist. Die 63. IAA in Frankfurt zeigt bei genauerem Hinsehen die Entwicklung, wie man sie vor Jahren erhofft, aber kaum ernsthaft erwartet hatte: Fast jeder Hersteller hat in seinem Produktportfolio LPG-Fahrzeuge, die vollends in die üblichen Garantien integriert sind und dem Endverbraucher Sicherheit geben. Das hätte man vor zwei Jahren, als die letzte IAA ihre Pforten schloss, so wohl kaum erwartet. Jede fünfte Tankstelle in Deutschland führt mittlerweile Autogas, und wenn die Entwicklung so weiter geht, sind bald auch die Lücken zu den klassischen Autogasländern wie Italien, Niederlande oder Polen, wo mehr LPG-Fahrzeuge als Diesel-PKW auf den Straßen fahren, schnell geschlossen. Nicht zuletzt deshalb ist die kommende Leitmesse der Automobilindustrie auch ein Gradmesser für das Thema LPG. Und da wurden in den vergangen beiden Jahren die Weichen in die richtige Richtung gestellt.

Vialle präsentiert Direkteinspritzer
Besonders interessant dürfte die Ankündigung des Gasanlagenherstellers Vialle aus dem niederländischen Eindhoven sein, die immer wieder verschobene Markteinführung der Gasanlagen für Direkteinspritzer nun ausgerechnet auf der IAA in Frankfurt vollziehen zu wollen. Als Bühne dafür dient der Stand "Automotive Saarland" in Halle 4.1. Für Brancheninsider stellt sich da postwendend die Frage nach der Konformität der Gasanlage mit der ECE  67 R01. Die schreibt nämlich vor, dass alle Teile, die vom Gas genutzt werden, also Benzineinspritzventile, die Hochdruckpumpe, Drucksensoren und Leitungen, um nur einige zu nennen, entsprechend dieser Norm homologiert und gekennzeichnet sein müssen. Das wurde auf der Sitzung des Arbeitskreises "Gas" im Mai nochmals bestätigt. Für Vialle wäre diese Lösung mit enormen Homologationskosten verbunden, da fast jedes Fahrzeugmodell sich diesem Prozedere einzeln unterziehen müsste. Das Geheimnis, wie dieses Problem gelöst wurde, soll wohl erst auf der IAA gelüftet werden, denn auf ausdrückliche Nachfrage der Redaktion hin hüllte man sich im Werk in Schweigen: "Diese Fragen können auf der Messe gestellt werden. Ich gehe davon aus, dass die Papiere in Ordnung sind", hieß es lakonisch aus der Eindhovener Zentrale seitens der Außendienstbeauftragten für Deutschland, Astrid Goedhart. Man darf also gespannt sein, was Vialle tatsächlich zu bieten hat. Für IAA-Besucher mit "Gas im Blut" ein absolutes Muss.

 


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