Vor 25 Jahren - Neue Rubrik "Zurückgeblättert"
Vieles, was uns aus heutiger Sicht verständlich erscheint, sah damals vor 25 Jahren in der deutschen Flüssiggaswirtschaft noch ganz anders aus. Darum hat die Zeitschrift "Flüssiggas" auf vielfachen Wunsch eine Nostalgie-Rubrik eingerichtet, die regelmäßig kleine Meldungen aus der jüngsten Vergangenheit abdruckt. Zu Beginn unserer neuen Rubrik bringen wir eine ganze Seite an Nachrichten aus der Flüssiggas-Ausgabe 10 aus dem Jahre 1983. In den kommenden Ausgaben wird jeweils eine halbe Seite mit Meldungen abgedruckt.
Die Wirtschaftlichkeit von Heizkesseln war vor 25 Jahren ein genauso wichtiges Thema wie heute…
„Die meisten Heizkessel sind unwirtschaftlich“
Der Austausch veralteter und zu großer Wärmeerzeuger kann nach Auffassung von Bundesbauminister Schneider den Energieverbrauch in Wohngebäuden um 25% senken, ohne dass der Komfort darunter leidet. Einer Untersuchung in Einfamilienhäusern zufolge seien die meisten Heizkessel zu unwirtschaftlich. Der Verlust bei der Energieumsetzung des Brennstoffs ergäben sich dadurch, dass in zu großen Kesseln heute sparsam geheizt werde: In jeder zehnten Heizkesselanlage werde der Brennstoff nur zu etwa 50% in Nutzwärme umgesetzt, während moderne Kessel, etwa verlustarme Niedertemperatur-Heizkessel, einen Nutzungsgrad von 85% und mehr aufweisen.“
Auch die Vorzüge des Autogas-Antriebs waren vor 25 Jahren bereits bekannt…
„Keine Blei-Emissionen bei Autogas-Betrieb
Flüssiggas-Verband spricht bei Bonner Ministerien vor“
Der Deutsche Verband Flüssiggas (DVFG) und die Arbeitsgemeinschaft Autogas haben in der letzten Juniwoche dem Bundesinnenministerium ihre Überlegungen über den verstärkten Einsatz von Autogas vorgetragen. Nach Auffassung des Verbandes könnte die Umstellung eines Teiles der Kraftfahrzeuge auf Autogas zum Abbau der Spitzenumweltbelastung vor allem in Städten und Ballungsgebieten spürbar beitragen.
Zur Diskussion um die Einführung von bleifreiem Benzin und den in diesem Zusammenhang erhobenen Forderungen nach steuerlichen Entlastungen weist der Deutsche Verband Flüssiggas daraufhin, dass mit Autogas ein erprobter Alternativ-Kraftstoff zur Verfügung steht, der kein Blei enthält und somit keine Bleiemission verursacht. Die Abgaswerte von Flüssiggas sind günstiger als mit Benzin oder Diesel-Kraftstoff betriebene Motoren.
Der schnellen Verbreitung des umweltfreundlichen Autogases stehen allerdings die Mehrkosten von ca. 2000,– DM für die Umrüstung des Kraftfahrzeugs sowie die relativ geringe Preisdifferenz zu den herkömmlichen Kraftstoffen gegenüber. Entsprechende steuerliche Maßnahmen, wie sie jetzt für bleifreies Benzin erörtert werden, würden einer positiven Entwicklung des Autogasverbrauchs wesentliche Impulse geben. Im benachbarten Ausland, namentlich den Niederlanden und Belgien, ist man schon wesentlich weiter als in der Bundesrepublik. So haben dort bereits seit langem erhebliche Steuerentlastungen dem Autogas zu größeren Marktanteilen verholfen. Die niederländische Regierung verzichtet bei Autogas auf die Erhebung einer Steuer, während in der Bundesrepublik rund 32 Pfennig Mineralölsteuer je Liter bezahlt werden müssen.“
„Autogas als Ergänzungskraftstoff“
Eine steigende Bedeutung könnte LPG auch als alternative Energie im Verkehrsbereich gewinnen. Insbesondere für die Bundesrepublik Deutschland besteht im Vergleich zu anderen Ländern ein großes Nachholpotential. Während in den Niederlanden und Italien bereits 6-8% aller mit Ottomotoren angetriebenen Automobile mit Flüssiggas fahren, sind die Zahlen für LPG-betriebene Fahrzeuge und Flüssiggas-Tankstellen bei uns noch relativ gering. Der Autogasabsatz ist in der Bundesrepublik 1982 zwar um 34% auf 20100 t gestiegen, nimmt sich aber im Vergleich zum gesamten Vergaser- und Dieselkraftstoffverbrauch von 36Mio. t noch ausgesprochen bescheiden aus. Im Privatwagensektor ist ein stärkerer LPG-Einsatz erst dann zu erwarten, wenn sein Preis zu konkurrierenden Kraftstoffen so attraktiv gestaltet werden kann, dass auch die Mehrkosten für die Um-/ Ausrüstung von Fahrzeugen für den LPG-Einsatz über den Kraftstoffpreis in annehmbarerer Zeit amortisiert werden können. Da das LPG wegen seiner spezifischen Kosten der Lagerung, des Transports und Umschlags wahrscheinlich immer relativ hohe Vorkosten tragen muss, kann sich nach allgemeiner Ansicht Flüssiggas erst stärker durchsetzen, wenn der Staat die Besteuerung im Vergleich zu anderen Kraftstoffen weiter abbaut.
In der Bundesrepublik Deutschland ist die öffentliche Diskussion über eine Intensivierung der Verwendung von Flüssiggas wieder in Gang gekommen, seit über den „Sauren Regen“ debattiert wird und nach den Ursachen des Baumsterbens gesucht wird. Jetzt können Staat und Gemeinden mithelfen, die Voraussetzungen für den Einsatz von Flüssiggas im innerstädtischen Verkehr von Taxis, Bussen und Servicefahrzeugen zu schaffen. Für den Bereich der Energieversorgung in Haushalt und Industrie kann gleichbleibender, für die petrochemische Weiterverarbeitung im Umfang des Produktionsmengenzuwachses ein leicht zunehmender Verbrauch angenommen werden. Die eigentliche Expansion mit entsprechenden nennenswerten mengenmäßigen Verbrauchszuwächsen kann in unserem Lande vom Verkehrssektor ausgehen.“
