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Strategie-Interview mit Hanns Richard Hareiner und Robert Schneiderbanger - Mit verstärktem Engagement die Aufgaben der Zukunft meistern


Viele Aufgaben und Themen wurden in den vergangenen Monaten durch den Verband aufbereitet und bearbeitet. Neben den großen, bekannten Themen und der laufenden Lobby-Arbeit, ist aber auch die tägliche, von außen kaum wahrgenommene Arbeit der Geschäftsstelle des Verbandes von herausragender Bedeutung für die Mitglieder. In einem Interview der "Flüssiggas" mit dem DVFG-Vorstandsvorsitzenden Hanns Richard Hareiner und dem DVFG-Hauptgeschäftsführer Robert Schneiderbanger wurden die großen strategischen Aufgaben, aber auch die Erfolge der vergangenen Monate, eingehend thematisiert.

 

DVFG-Vorstandsvorsitzender Hanns Richard Hareiner (rechts) und DVFG-Hauptgeschäftsführer Robert Schneiderbanger stellten sich im Interview wichtigen Zukunftsfragen.

 

Frage: Gibt es einen Unterschied zwischen der ehrenamtlichen Arbeitsweise, so wie Sie diese über mehrere Jahre ausgeführt haben, und der hauptamtlichen, die Sie seit dem 1. Juli 2008 ausüben?

Hareiner: Es gibt natürlich einen Unterschied, wenn Sie sich als Geschäftsführer eines Unternehmens täglich im operativen Geschäft bewegen und die Tätigkeit eines Vorstandsvorsitzenden eines Verbandes nebenher ausüben. Es ist dann alles ein großes Zeitproblem. Vielleicht ist der Praxisbezug aus der täglichen Arbeit heraus größer und kann unmittelbar in die Verbandsarbeit eingebracht werden. Inhaltlich gesehen gibt es wirklich gravierende Unterschiede allerdings nicht. Seitdem ich hauptamtlich beschäftigt bin, kann ich mich den einzelnen Themen natürlich noch intensiver widmen als früher und mehr Input geben. Die Präsenz für den Verband hat sich deutlich verstärkt.

Frage: Gibt es Änderungen im Arbeitsfluss zwischen Ihnen, Herr Hareiner,
und Ihnen, Herr Schneiderbanger, bzw. der Geschäftsstelle?

Schneiderbanger: Ja, die gibt es. Vom Grundsatz des Rollenspiels her ist es unverändert. Aber es gibt doch mehr Zeit und damit Möglichkeiten, die bereits bestehenden Verbindungen noch intensiver zu nutzen. Generell ist es so, dass jetzt in dieser Konstellation schneller und rascher reagiert werden kann, weil Herr Hareiner auf Anforderungen der Geschäftsstelle anders reagieren kann. Ansonsten sehe ich keine großen Unterschiede.

Frage: Gibt es da ganz spezielle Tage oder Zeiten, in denen Sie zusammenarbeiten oder folgt die Arbeit den inhaltlich-thematischen Notwendigkeiten?

Hareiner: Die Zusammenarbeit ist mehr inhaltlich-thematisch ausgerichtet. Prinzipiell bin ich aber jetzt noch häufiger in Berlin. Das ist anforderungsorientiert ausgerichtet. Beispielsweise war ich in der vergangenen Woche vier Tage in Berlin. Diese Woche werden es zwei Tage sein.

Schneiderbanger: Erste Priorität haben hier in Berlin unsere Gesprächs- und Lobbytermine mit Behörden und Politikern, die wir gemeinsam koordinieren. Die Anwesenheit von Herrn Hareiner gestattet es uns dann selbstverständlich auch, unsere Vorgehensweise genau aufeinander abzustimmen.

Frage: Gehen wir doch einmal ein bisschen auf die Themen und Inhalte ein. Können Sie die Hauptthemen der vergangenen vierundzwanzig Monate umreißen, und wo haben Sie entsprechende Erfolge im Rahmen Ihrer Lobbyarbeit erzielt?

Hareiner: Das Hauptthema war ja in der Vergangenheit generell das Autogasthema. Der seit Langem größte Erfolg in der Verbandsgeschichte war 2006 die steuerliche Gleichstellung mit Erdgas. In den letzten zwei Jahren ging es in erster Linie darum, diesen gesetzgeberischen Erfolg auch so zu verwerten, dass es zu einem geschäftlichen Erfolg für die einzelnen Mitgliedsfirmen kommen kann. Das heißt, es geht generell darum, die Rahmenbedingungen für die Entwicklung des Flüssiggasmarktes zu schaffen.

Schneiderbanger: Wir haben von Verbandsseite aus dies aus technischer Sicht ebenfalls begleitet und geschaut, dass hier vernünftige Rahmenbedingungen für die Entwicklung der Tankstellen-Infrastruktur geschaffen wurden. Unsere Mitarbeiter der Geschäftsstelle waren hier auch in den entsprechenden Gremien und Ausschüssen vertreten, um für die weitere Entwicklung der technischen und nichttechnischen Teilbereiche Impulse zu geben und die Themen voranzubringen.

Frage: Haben Sie in der Phase nach der gesetzlichen Gleichstellung ebenso noch unterstützende Maßnahmen für die Entfaltung des Autogas-Marktes ergriffen, z.B. im politischen Bereich?

Hareiner: Das Schöne am Autogas-Thema war, dass wir im Rahmen unserer Lobby-Arbeit ein politisches Netzwerk aus Bundestagsabgeordneten, der Ministerialbürokratie,  Landespolitikern und anderen Verantwortlichen schaffen konnten. Für uns war nach der Gleichstellung wichtig, die Kontakte nicht abreißen zu lassen und die Kontakte dann auch mit weiteren Themen und Inhalten in Verbindung zu bringen.

Frage: Gab es andere Themen, die in den letzten 24 Monaten eine gewisse Relevanz erreicht haben?

Schneiderbanger: Ja, wir haben uns insbesondere mit dem Energiewirtschaftsgesetz auseinandergesetzt und der Bedeutung der einzelnen Teile für die Flüssiggaswirtschaft. Wir haben geschaut, welchen Einfluss das Gesetz auf die Geschäftstätigkeit und die Betriebsabläufe der einzelnen Unternehmen haben wird. Wir haben hierzu auf Bundes- und Landesebene an verschiedenen Stellen Gespräche geführt. Wir sind weiterhin in Kontakt mit den zuständigen Behörden und Organisationen. Ebenso wichtig war für uns die Umsetzung der Energie-Dienstleistungsrichtlinie und die Umsetzung des Betriebssicherheitsgesetzes.

Frage: Welche thematischen Schwerpunkte sehen Sie in den nächsten zwölf Monaten?

Schneiderbanger: An den Themen wird sich nichts Großes ändern. Die genannten Themen werden wir weiter behandeln.

Frage: Gibt es denn den ein oder anderen Ausschuss, der in seiner Arbeit noch wichtiger geworden ist als früher?

Hareiner: Die Arbeit der Ausschüsse ist für den DVFG von allergrößter Bedeutung, weil sie die eigentliche Stabsarbeit leisten und über sie die inhaltliche Ausgestaltung erfolgt, die letztlich von den Mitgliedsunternehmen eingebracht wird. Eine Bewertung der Arbeit der Ausschüsse kann nicht vorgenommen werden, weil sie je nach Anforderungen von außen mal mehr oder weniger zu tun haben. Darum ist der Wirtschaftsausschuss genauso wichtig für den DVFG wie der Werbe- und PR-Ausschuss. Besonders erwähnen möchte ich den neugeschaffenen AK Politik und Strategie, der die Arbeit des Vorstandes besonders unterstützt.

Frage:  Wie bewerten Sie die Arbeit des Ausschusses der außerordentlichen Mitglieder? Dieser Ausschuss existiert erst zwei Jahre und bündelt die äußerst heterogenen Interessen der außerordentlichen Mitglieder.

Hareiner: Dieser Ausschuss wurde gegründet, um die außerordentlichen Mitglieder stärker in das Verbandsgeschehen mit einzubeziehen und um ihnen ein stärkeres Sprachrohr in der Verbandsarbeit zu geben. Dies wurde erfolgreich umgesetzt.

Frage: Gibt es denn ein brennendes Thema, das in den kommenden zwölf Monaten konsequent bearbeitet werden muss?

Hareiner: Es gibt eine Reihe wichtiger Lobby-Themen, die zum großen Teil auch aus der EU kommen. Als Beispiel sei die Energiedienstleistungsrichtlinie genannt. Aber auch nationale Themen wie das EnWG, die KFZ-Steuer oder besonders die Betriebssicherheitsverordnung beschäftigen uns. Bei der stichtaggenauen Prüfung haben wir zur Lösung dieser Problematik dem zuständigen Ministerium einen Ball zugespielt und warten jetzt auf Antwort. Generell wird es immer wichtiger zu beobachten, was aus der EU auf uns zukommt.

Frage: Werden Sie demnächst weitere Autogaswälder in Deutschland zusammen mit Partnern anpflanzen?

Schneiderbanger: Wir werden das Thema in diesem Herbst wieder verstärkt aufgreifen und hierfür mehrere mögliche Unterstützer anschreiben. Hierdurch werden wir abfragen, wie das Interesse an diesem Projekt ist. Wir sind bei der Durchführung der Teilprojekte auf die Unterstützung von Autogasanlagenherstellern und Autoherstellern angewiesen.

Frage: Sie haben parallel zum Projekt Autogaswald eine Broschüre mit dem Namen „Autogastankstellen Deutschland“ herausgegeben. Wie ist die Resonanz darauf?

Schneiderbanger: Die Broschüre wird sehr gut angenommen. Wir haben hierfür erst vor Kurzem auch bei den Tankstellen für dieses Produkt geworben. Die erste Auflage ist bereits vergriffen. Zu den vergriffenen Exemplaren der zweiten Auflage haben wir jetzt noch mal 7000 nachbestellt.

Frage: Wie entwickelt sich die Zusammenarbeit mit der neuen Werbeagentur Sagross?

Schneiderbanger: Die Arbeit entwickelt sich sehr gut. Die neuen Werbematerialien kommen bei den Mitgliedern sehr gut an und auch der Internetauftritt wurde, wie man klar erkennen kann, optisch stark verbessert.

Frage: Gibt es neben den täglichen Themen, die Sie hier in der Geschäftsstelle bearbeiten, echte Zukunftsthemen, die sich bereits heute andeuten?

Hareiner: Ein wichtiges Thema wird in Zukunft die Energieeffizienz sein. Ein anderes wichtiges Thema wird sicherlich die verstärkte Nutzung regenerativer Energien und deren Kompatibilität mit Flüssiggas sein. Wir sind mit unserer Energie Flüssiggas hier bestens gerüstet, weil wir natürlich bestrebt sind, die Effizienz unserer Energie weiter zu steigern. Dabei sind bereits in den vergangenen Jahren große Fortschritte erzielt worden.
Diese beiden allgemeinen Themen werden im Flüssiggasbereich in Zukunft breiten Raum einnehmen. In diesem Zusammenhang muss die Klimaschutz-Erklärung des DVFG genannt werden, die sich ebenfalls mit der Effizienz der Energie Flüssiggas beschäftigt. Interessant sind hier auch die Forschungsaktivitäten, beispielsweise das Projekt in der österreichischen Stadt Güssing, in der über die Anwendung des Fischer-Tropsch-Verfahrens Bioflüssiggas aus Biomasse hergestellt wurde.

Schneiderbanger: Das zweite große Projekt ist das Forschungsvorhaben von Professor Dr. Kai-Uwe Hinrichs, Leiter der Arbeitsgruppe Organische Geochemie am Meeresforschungszentrum Marum der Universität Bremen. Dieses Grundlagen-Forschungsprojekt beschäftigt sich mit der Produktion von Propan durch Mikroben, die unter bestimmten Bedingungen den Brennstoff herstellen können. Am Ende dieser Forschungen könnte ein Bio-Reaktor stehen, der mithilfe von Klärschlamm und Mikroben Bio-Propan produziert.

Frage: Gibt es technische Themen, die demnächst aufbereitet werden müssen?

Schneiderbanger: Das gesamte technische Regelwerk werden wir überarbeiten müssen. Vor dem Hintergrund der europäischen Vereinheitlichung von Regeln und technischen Normen ist diese Arbeit demnächst absolut notwendig. Besonders das ADR-Regelwerk und die technischen Anleitungen werden Bestandteil dieser Arbeit sein. Dabei ist für uns besonders wichtig, dass unsere Mitarbeiter aus dem Referat Technik in den entsprechenden Gremien zielführend mitarbeiten. Die Abstimmung zwischen den verantwortlichen Gremien und Verbänden ist hierbei sehr arbeitsintensiv. Ein weiterer wichtiger Themenkomplex wird sicher die Betriebssicherheitsverordnung sein. Zum Beispiel wird gerade die TRS Tankstellen erarbeitet. Wir werden erleichert sein, wenn das Großprojekt der Neufassung der TRF abgeschlossen sein wird.

Frage: Das Thema Autogas ist das große Zukunfts- und Hoffnungsthema der Flüssiggaswirtschaft. Die vor zwei Jahren für 2015 in der Spitze prognostizierte Anzahl von 4000 Autogas-Tankstellen wurde bereits vor Kurzem übertroffen. Auch bei den Fahrzeugen gibt es ebenfalls Prognosen. Der Verband sprach noch vor einem Jahr von 1 Mio. Fahrzeugen im Jahr 2015. Der renommierte Auto-Experte Prof. Dr. Ferdinand Dudenhöffer dagegen sprach erst kürzlich von bis zu 2 Mio. Autogasfahrzeugen bis zum Jahr 2015. Wie schätzen Sie diese neue Prognose ein?

Hareiner: Immer, wenn es um Zukunftsfragen geht, gibt es natürlich auch Divergenzen in der Bewertung von bestimmten Entwicklungen. Prof. Dudenhöffer hat hier eine sehr optimistische Bewertung abgegeben. Unsere dagegen war eher etwas konservativer, basierte aber auf Aussagen des Fortschrittsberichtes der alten rot-grünen Bundesregierung. Die Dynamik des Marktes stützt derzeit die Aussage von Prof. Dudenhöffer.

Schneiderbanger: Als wir vor zwei Jahren die Prognose machten, war noch nicht klar, dass der Benzin- und Dieselpreis eine solche Dynamik erfahren würde. Auch die Tank- und Tellerdiskussion im Biokraftstoffbereich war damals nicht absehbar. Beides hat und wird auch in Zukunft dem Kraftstoff Autogas sicher weiterhelfen, sich noch stärker als bisher im Markt für Kraftfahrzeuge zu etablieren. Wir stehen diesbezüglich auch, was die weitere Einführung von Autogas-Neufahrzeugen anbelangt, mit den entsprechenden inländischen und ausländischen Herstellern in Verbindung.

Herr Hareiner, Herr Schneiderbanger, ich danke Ihnen für das Gespräch.

 


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