Seit Januar 2011: Ottokraftstoff mit 10 % Bioethanol
Seit Januar können Tankstellen in Deutschland einen neuen Ottokraftstoff mit einem Bioethanolanteil von maximal 10 % anbieten. Mit der „Biosprit-Verordnung“ setzt die Bundesregierung eine EU-Richtlinie um, die von den Mitgliedstaaten fordert, den Biosprit-Anteil am Kraftstoffverbrauch zu erhöhen.
Noch im ersten Quartal 2011 dürfte die Umstellung auf das so-genannte E10 an fast allen Tankstellen abgeschlossen sein. Damit stehen auch die bald 500 000 deutschen Autogasfahrer vor der Frage, ob sie diese neue Kraftstoffsorte bedenkenlos tanken können.
Keine grundsätzlichen Probleme sieht die Westfalen AG aus Münster, die mit Westfalen-Autogas rund 900 der über 6000 öffentlichen Autogas-Tankstellen versorgt. Wie jeder Fahrer eines Benziners müsse auch der Autogasfahrer die generelle Tauglichkeit seines Fahrzeugs für den bis zu 10 % Ethanol enthaltenden Kraftstoff prüfen. Dazu können Angaben der Automobilhersteller und der Verkehrsclubs sowie von DAT Deutschland (www.dat.de) herangezogen werden. Ist die Eignung gegeben, würden aus dem Mischbetrieb von Super E10 und Autogas (LPG) keine Nachteile oder gar Schäden entstehen, wenn sich die Kraftstoffsysteme in einwandfreiem Zustand befinden, heißt es einer Pressemitteilung des Unternehmens. Dazu Prof. Dr. Thomas Heinze, der an der Hochschule für Technik und Wirtschaft des Saarlandes seit Jahren mit Forschungsarbeiten zu Autogas befasst ist: „Die Problematik liegt in den Dichtungen und Schläuchen des Kraftstoffsystems. Diese müssen Ethanol vertragen, damit das Fahrzeug ohne schädliche Folgewirkungen mit E10 betrieben werden kann.“ Und genau hier liegt das Problem: Bei der Vielzahl von Anlagen auf dem Markt (bis hin zu älteren Venturi), lässt sich eine Beaufschlagung von Bauteilen mit Kraftstoffatmosphäre nicht vollständig ausschließen. „Der Fahrzeugbetreiber sollte sich in jedem Fall bei Anlagenhersteller und Ausrüster rückversichern,“ rät Hauptgeschäftsführer Robert Schneiderbanger, vom Deutschen Verband Flüssiggas e.V., Berlin.
Der neue Kraftstoff wird an den Zapfsäulen als ‚Super 95 E10‘ gekennzeichnet. Eine zusätzliche Zapfstelle für E10 müssen die Tankstellen nicht einrichten: Der neue Kraftstoff wird in der Regel die Sorte Benzin verdrängen. Super mit nur 5 % Ethanolanteil wird es weiterhin geben – mindestens bis Ende 2013. Ziel von gesetzlicher Beimischungspflicht und Normung ist es, E10 bei Ottokraftstoffen künftig zum Standardkraftstoff zu machen. Gleichzeitig wird verlangt, dass es für jene Autos, die keinen E10 vertragen, auch künftig einen Ottokraftstoff mit einem maximalen Anteil von fünf Prozent Bioethanol gibt (Schutzsorte). „Mit der Schutzsorte können falsche Betankungen und technische Schwierigkeiten zuverlässig vermieden werden“, erklärt Dr. Dieter Walther von der Aral Forschung. Im zukünftigen Produktangebot wird diese Vorgabe unter anderem die Sorte ‚Super 95‘ erfüllen.
Übrigens: Wer E10 tankt, muss mit leicht erhöhtem Verbrauch rechnen. Ethanol hat aufgrund seines höheren Sauerstoffanteils einen geringeren Energiegehalt als herkömmlicher Superkraftstoff. Das Mehr an Sauerstoff verbessert allerdings die Verbrennung und fängt so den niedrigeren Brennwert teilweise wieder auf. In Einzelfällen kann es aber im Vergleich zu Super mit 5 % Bioethanol zu einem leichten Anstieg des Kraftstoffverbrauchs kommen, der Schätzungen von ARAL zufolge
1 – 2 % betragen wird.
Tank oder Teller?
Die einen sehen „Biosprit“ als Garant für mehr Klimaschutz im Verkehr. Die andern verweisen auf eine unselige Konkurrenz zwischen Tank oder Teller – steigende Lebensmittelpreise in weiten Teilen der Welt sind Folge der verstärkten „Biosprit“-Produktion. Aufgrund der steigenden Nachfrage kommt es zu einer Konkurrenz von Energie- und Nahrungspflanzen bzw. um landwirtschaftlich nutzbare Flächen.
Präziser ist es daher, von Agrosprit zu sprechen. Und der ist unterm Strich gar nicht so ergiebig: So enthält beispielsweise der Sprit aus Maiskörnern nur ein Viertel mehr Energie, als für seine Herstellung nötig war. Auch die anderen Agrospritvarianten – etwa deutscher Rapsdiesel – sind von Klimaneutralität weit entfernt. Zudem wird infolge der starken Stickstoffdüngung im Boden Lachgas frei, ein Treibhausgas, welches fast 300-mal so stark zur Klimaerwärmung beiträgt, wie Kohlendioxid.