Nachgefragt bei … Hartmut Waschk
Hartmut Waschk ist seit 1995 Geschäftsführer der Drachengas, Frankfurt. Zuvor leitete er mehrere Jahre als Prokurist den Bereich Organisation, Recht und Personal, davor war er als selbstständiger Rechtsanwalt tätig.
Herr Waschk, was wollten Sie als Jugendlicher werden?
Zunächst wusste ich, was ich nicht werden wollte, nämlich Beamter. Das war wohl der Tatsache geschuldet, dass ich in einem Beamtenhaushalt aufgewachsen bin. Schon relativ früh hatte ich mich aus den für mich in Betracht kommenden Berufen Mediziner oder Jurist auf die Seite der Jurisprudenz geschlagen und an der Johann-Wolfgang-Goethe Universität Frankfurt Rechtswissenschaften studiert und nach dem Referendariat im März 1973 das 2. Staatsexamen abgelegt.
Wie ist Ihr Berufsweg dann verlaufen?
Nach meinem 2. Staatsexamen habe ich mit 27 Jahren die Zulassung zur Rechtsanwaltschaft erhalten und bin in eine Anwaltskanzlei als angestellter Anwalt eingetreten. Am 1. Januar 1977 habe ich mich selbstständig gemacht und eine eigene Anwaltskanzlei eröffnet. Am 1. Juni 1986 wechselte ich zu der Firma Drachen-Propangas GmbH und übernahm zunächst die Leitung der Rechts- und Personalabteilung, später wurde ich einer der Geschäftsführer.
Wie starten Sie in den Arbeitsalltag?
Mit einem Frühstück zusammen mit meiner Frau, die ebenfalls berufstätig ist. Sodann fahre ich in das Büro und sichte die tägliche Post. Glücklicherweise konnte ich bislang einen direkt an mich gerichteten E-Mailverkehr von mir fernhalten, sodass ich meinen Arbeitstag nicht erst mit langwierigem Durchsuchen von E-Mails belasten muss.
Wie bereiten Sie sich auf Besprechungen vor?
Zunächst sichte und lese ich begleitende Unterlagen. Dann definiere ich je nach Art der Besprechung ein klares Ziel mit entsprechend unterlegten Argumenten. Nichts ist schlimmer, als in eine Besprechung ohne Orientierung zu gehen.
Wo liegen Ihre Stärken?
Mein Hang zum Perfektionismus ist vielleicht eher eine Schwäche, aber er schafft für die mittel- und langfristigen Entwicklungen verlässliche Grundlagen. Ansonsten meine ich eine gewisse Schlagfertigkeit und Überzeugungskraft zu besitzen.
Was war in den letzten zwölf Monaten das wichtigste Ereignis in Ihrem Unternehmen?
Die Übernahme und Integration eines kleinen Flüssiggas-Tankstellen-Netzes sowie das Ausscheiden unseres Geschäftsführers Celso Vallar, der in hohem Alter in den wohlverdienten Ruhestand getreten ist. Er hat die Geschichte des Hauses Drachengas über 50 Jahre begleitet und war uns stets ein guter Ratgeber.
Und in der deutschen Flüssiggaswirtschaft?
Das Engagement der Branche und des Verbandes im Bereich Autogas trägt zunehmend Früchte. So ist die Tatsache, dass die Autohersteller vermehrt auch LPG-Fahrzeuge anbieten, ein klares Zeichen dafür, dass der Autogasmarkt ein wichtiger Geschäftszweig bleiben wird und sich auch noch entwickeln kann.
Woher beziehen Sie die Kraft für das Tagesgeschäft?
Zum einen verfüge ich über die Gabe, nach dem Arbeitstag meine Gedanken vom Geschäft vollkommen trennen und abschalten zu können, sodass ich in dieser „geschäftlichen Ruhepause“ wieder Kraft aufbauen kann. Zum anderen hilft ein harmonisches Familienleben und die Unterstützung meiner Frau, die selbst beruflich sehr angespannt ist und von daher auch Verständnis für z. B. zeitliche Belastungen aufbringt.
Wie halten Sie sich fit?
Ich habe mich den Pferden und der Reiterei verschrieben. Allerdings habe ich manchmal den Eindruck, dass mit meiner zunehmenden Orientierung zur Freizeitreiterei das Pferd mehr schwitzt als ich. Immerhin bringt es mich an die frische Luft und in jedem Fall etwas Bewegung.
Wann waren Sie zum letzten Mal in einer Kunstausstellung und wie hieß die?
Die Boticelli Ausstellung im Frankfurter Städel im Januar 2010
Welches Buch lesen Sie gerade?
Deutschland einig Vaterland von Andreas Rödder. Es ist eine außerordentlich interessante und spannende Darstellung der Ereignisse um die Wiedervereinigung. Angefangen mit den Veränderungen in der Sowjetunion unter dem Begriff Perestroika – angeschoben von Gorbatschow – bis zur Wiedervereinigung in Form des Beitrittes der DDR zur Bundesrepublik Deutschland. Im Moment bin ich beim Kapitel „Die Deutsche Frage in der internationalen Politik“. Daneben lese ich immer wieder mal in Theodor Mommsens „Römische Geschichte“.
Wenn Sie nicht als Mensch auf der Erde wären, welches Tier wären Sie gerne?
Ein Igel. Für mich sind das liebenswerte Zeitgenossen, die sich aber bei Bedarf auch etwas stachelig und wehrhaft zeigen können.
Was wünschen Sie sich persönlich für die kommenden zwölf Monate?
In meinem Alter ist es angebracht, sich weiterhin Gesundheit zu wünschen oder besser gesagt zu wünschen, dass die
„Zipperlein“ nicht überhand nehmen.
Und zum Schluss: Wo sehen Sie den DVFG in 10 Jahren?
Der Verband ist für die Branche unverzichtbar. Es bedarf angesichts ständiger Änderungen der rechtlichen Rahmen und der technischen Regeln sowie deren Auslegung nach wie vor einer laufenden Beobachtung und Begleitung dieser Prozesse – auch schon im Vorfeld, um für die Branche nachteilige Entwicklungen zu vermeiden oder solche zumindest abzumildern. Auch die zunehmende Einmischung der europäischen Institutionen verlangt eine vergleichbare kritische Begleitung, die in Verbindung mit dem europäischen Verband geleistet werden kann. Weiterhin können für die Branche wichtige Innovationsprojekte eigentlich nur über den Verband angeschoben und begleitet werden. Vielleicht mit ganz wenigen Ausnahmen können die einzelnen Unternehmen der Branche das meines Erachtens für sich allein nicht bewältigen. Daher wird nach meiner Einschätzung der Verband auch noch in 10 Jahren seinen Platz haben und haben müssen. Ich hoffe, dass die Stärke des Verbandes durch Eintritt weiterer Mitglieder ausgebaut wird.
