Große Chancen liegen weiterhin im Bootsbereich - SeaHelp setzt auf den Alternativkraftstoff
Das Thema Bootsgas ist zwar aktueller denn je, doch nachdem in den vergangenen Jahren immer wieder einzelne Projekte publiziert wurden, gelang der Durchbruch in diesem Bereich zunächst nicht. Dennoch bietet der maritime Sektor immer wieder neue Nischen, in dem oft kundenfreundliche Anwendungen realisiert werden. Das viel zitierte Henne-Ei-Prinzip trifft gerade im Bootsbereich voll des Pudels Kern.
Trotzdem gilt: Ohne entsprechende Tankmöglichkeiten ist das Thema Gasantrieb für Boote einfach nicht interessant, sagen auch eingefleischte Experten. Dennoch stieß die Redaktion Flüssiggas auf einige interessante Entwicklungen in diesem Sektor, die nachhaltig die These belegen, dass dem Boom auf der Straße durchaus der Boom auf dem Wasser folgen könnte.
Ein besonders interessantes Projekt wird derzeit von der österreichischen Firma SeaHelp verfolgt.
SeaHelp bietet flächendeckend einen Pannenservice für Boote im Adriaraum von Venedig bis Dubrovnik an. Ähnlich wie bei den deutschen Automobilklubs kann man bei SeaHelp eine Mitgliedschaft erwerben und im Falle einer Panne auf dem Wasser schnelle Hilfe erwarten. Acht SeaHelp Boote waren in der vergangenen Saison fast pausenlos im Einsatz, um Boote wieder flott zu machen. Das Geschäftsmodell funktioniert: Der ADAC hat SeaHelp mittlerweile nach umfassender Prüfung zum Stützpunktpartner ernannt, der ÖAMTC und der Österreichische Segelverband kooperieren ebenfalls mit den „Gelben Engeln“ der Adria. Derzeit sind weitere SeaHelp-Stützpunkte auf Mallorca und im Bereich Montenegro in Planung.
Kraftstoff ist großer Kostenfaktor
Ein besonders großer Posten in der SeaHelp-Bilanz ist allerdings der Kraftstoff. Die großen Schlauchboote werden mit je zwei 175-PS-Außenbordern betrieben. Die sind auch nötig, um Ausrüstung zu transportieren und schwere Yachten freizuschleppen. Die Kehrseite der Medaille sind allerdings mehr als 30.000 Euro allein für Benzin, die für die Fahrten zu den Einsatzorten anfallen. Im Jahr 2008 mussten die gelben Engel zur See allein über 600 Mal ausrücken.
Um hier die immensen
Kosten zu senken, wurde SeaHelp-Geschäftsführer Walter Ebli aktiv. Eine Umrüstung auf Flüssiggas war naheliegend, denn das ist sowohl in Italien, Slowenien als auch in Kroatien verfügbar. Und es sollte noch besser kommen: An einem der Stützpunkte, nämlich auf der kroatischen Adria-Insel Cres, steht eine Autogastankstelle so dicht an der Kaimauer, dass auch die Betankung eines Bootes möglich ist.
Mit der Itzehoer Firma Green Car Consult, die sich darauf spezialisiert hat, Autogas auch in anderen Bereichen zum Einsatz zu bringen, kam man schnell überein, eines der Boote umzurüsten und einen über längere Zeit angelegten Praxistest durchzuführen. Walter Ebli: „Sollte das Konzept aufgehen, werden wir kurzfristig alle Einsatzboote auf den Gasantrieb umstellen. Das schont nicht nur unseren Etat sondern auch die Umwelt.“
Bis aus den Gelben Engeln aber Grüne Engel werden, bedarf es noch allerhand Entwicklungstätigkeit. Die Gasanlagen müssen entsprechend der geänderten Nutzung seewasserfest gemacht werden und eine für Boote akzeptable Tanklösung sollte gefunden werden. Dafür musste das Boot eigens aus dem kroatischen Heimathafen nach Itzehoe geholt werden, um entsprechende Abstimmungen vorzunehmen. Erste Fahrversuche auf der Ostsee stellen dann die künftige Praxistauglichkeit unter Beweis.
Der innovative Schritt von SeaHelp könnte dem Gasantrieb im maritimen Bereich den Weg ebnen, denn neben sporadischen Aktivitäten wurden solche Versuche bisher kaum im harten Einsatz durchgeführt. Bisher lagen die Schwerpunkte immer im Freizeitbereich, der ganz andere Ansprüche an das Material stellt. Beobachtbar ist, dass auch die Fachpresse auf das SeaHelp-Projekt aufmerksam wurde und es bis dato wohlwollend begeleitet hat. Unter www.sea-help.eu sowie unter www.sea-magazine.com kann man über den Fortgang des Vorhabens Näheres lesen.
Der Tipp eines kroatischen Experten: Die Infrastruktur dort lässt sich sicher auch an den deutschen Binnengewässern sowie an Nord- und Ostsee aufbauen.
