Energieabhängigkeit: Weg vom russischen Tropf
In einer Pressekonferenz am 3. März stellte Dr. Fatih Birol einen 10-Punkte-Plan der International Energy Agency (IEA) vor, der es der Europäischen Union erlauben soll, die Abhängigkeit von russischen Gaslieferungen in Übereinstimmung mit dem Green Deal innerhalb eines Jahres um ein Drittel zu verringern – mit zusätzlichen vorübergehenden Optionen, sie auf die Hälfte zu drosseln.
Die IEA schlägt folgende Maßnahmen vor, um den jährlichen Gasimport aus Russland in die EU von bisher 155 bcm (billion cubic metres) um über 50 bcm zu reduzieren:
- Keine neuen Gasversorgungsverträge mit Russland:
Bis Ende 2022 laufen Verträge mit Gazprom über 15 bcm pro Jahr aus, was ungefähr 12 % der Gaslieferungen des Unternehmens an die EU entspricht. Bis Ende des Jahrzehnts endet die Laufzeit von Verträgen mit Gazprom über 40 bcm pro Jahr. - Ersetzen der russischen Gaslieferungen durch alternative Quellen:
Im Laufe des nächsten Jahres kann die Produktion innerhalb der EU und nichtrussischen Pipeline-Importen (inkl. Aserbaidschan und Norwegen) um 10 bcm gegenüber 2021 gesteigert werden. Die LNG-Importe der EU sollen im nächsten Jahr um 20 bcm gesteigert werden. Mehr wäre möglich, erscheint aber momentan im Hinblick auf den internationalen Wettbewerb und die daraus resultieren hohen Preise nicht sinnvoll. - Einführung der Verpflichtung einer Mindest-Gasreservehaltung, um die Resilienz des Marktes zu verbessern:
Bis zum 1. Oktober sind laut IEA-Analyse mindestens 90 % der Arbeitsspeicherkapazität erforderlich, um den europäischen Gasmarkt über die Heizperiode hinweg ausreichend abzupuffern. Angesichts der momentanen Gasreserven müssen im laufenden Jahr ca. 18 bcm mehr Gas zugeführt werden als 2021. - Beschleunigung der Einführung neuer Wind- und Solarprojekte:
Zusätzliche 35 TWh aus Erneuerbaren Projekten würden den Gasverbrauch um 6 bcm reduzieren. - Maximieren der Energieerzeugung aus den bestehenden einsatzbereiten emissionsarmen Quellen Bioenergie und Kernenergie:
Die Vollauslastung der bestehenden Bionergiekraftwerke und die vorübergehende Wiederinbetriebnahme sicherer Kernkraftwerke würde laut IEF den Gasbedarf um bis zu 13 bcm verringern. - Ergreifen kurzfristiger Maßnahmen, um vulnerable Verbraucher vor hohen Strompreisen zu schützen:
Empfohlen wird, eine Zufallsgewinnsteuer für Energiekonzerne umzuverteilen und damit die Auswirkungen hoher Energierechnungen verletztliche Gruppen abzufedern (bis zu 200 Mrd. Euro). - Beschleunigung des Ersatzes von Gasboilern durch Wärmepumpen:
Eine Verdopplung der momentanen Erneurungsrate würde im ersten Jahr zusätzlich 2 bcm Gasverbrauch einsparen. Erforderliche Investitionen: 15 Mrd. Euro. - Beschleunigte Verbesserung der Energieeffizienz im Gebäude- und Industriesektor:
Damit könnte innerhalb eines Jahres eine Einsparung von 2 bcm Gas erreicht werden – bei gleichzeitiger Reduzierung der Energierechnungen, Erhöhung des Komforts und Steigerung der Wettbewerbsfähigkeit. - Ermutigung der Verbraucher zu einer temporären Thermostatanpassung.
Eine Senkung der durchschnittlichen Raumtemperatur von 22 °C um würde den jährilchen Gasbedarf pro 1 °C um 10 bcm verringern. - Intensivierung der Bemühungen zur Diversifizierung und Dekarbonisierung der Quellen für die Flexibilität des Stromsystems:
Durch einen großen kurzfristigen Innovationsschub können im Lauf der Zeit die starken Verbindungen zwischen Erdgasversorgung und Stromversorgungssicherheit in Europa gelockert werden. Strompreissignale in Echtzeit können eine flexiblere Nachfrage freisetzen, was wiederum den teuren und gasintensiven Spitzenversorgungsbedarf reduziert.
