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Endgültiges Aus für Dachs-Produktion im Werk Schweinfurt


Drei Jahrzehnte lang prägte der „Dachs“ von SenerTec das Bild der kleinen Blockheizkraftwerke im Leistungsbereich bis 20 kW elektrischer Leistung. Mitte Januar dieses Jahres wurde die Schließung des Produktionsstandorts in Schweinfurt zum 31. März 2026 bekannt ge­geben. Alle Versuche, die Schließung doch noch zu verhindern, sind endgültig gescheitert.

 

Der Dachs 2.9, das meistverkaufte BHKW Europas. (Bild: SenerTec)

 

Als Begründung für die Schließung des SenerTec-Werks in Schweinfurt nannte der Mutterkonzern BRD Thermea vor allem die stark rückläufige Nachfrage nach gasbetriebenen Mini‑­BHKW, hohen Wettbewerbs‑ und Kostendruck sowie regulatorische Unsicherheiten infolge von Gebäudeenergiegesetz, CO₂‑Bepreisung und Wärmewende. Während vor 15 Jahren noch mehrere tausend Dachse pro Jahr abgesetzt wurden, zeigten Daten aus dem Marktstammdatenregister zuletzt nur noch rund 250 Neuinstalla­tionen jährlich. Die auf hohe Stückzahlen ausgelegte Produktion sei damit wirtschaftlich nicht mehr auslastbar, so die Argumentation.

Die SenerTec Kraft‑Wärme‑Energie­systeme GmbH wurde 1996 in Schweinfurt gegründet, mit dem klaren Ziel, das damals neuartige Mini‑Blockheizkraftwerk „Dachs“ in Serie zu produzieren. Die technologischen Wurzeln reichen bis in die Entwicklungsarbeit bei Fichtel & Sachs zurück, wo bereits seit Ende der 1970er‑Jahre an kleinen Verbrennungsmotoren für dezentrale Energielösungen gearbeitet wurde. Mit der Markteinführung des Dachs Ende der 1990er‑Jahre gilt SenerTec als Pionier der ­Mikro‑KWK in Deutschland und Europa.

Über mehr als zwei Jahrzehnte hinweg entwickelte sich der Dachs zum meistverkauften Mikro‑BHKW Europas. Und das aus gutem Grund: Er produziert Strom direkt im heimischen Keller und nutzt die Abwärme zum Heizen von Räumen und Brauchwasser – hocheffizient und umweltfreundlich. Der Betrieb mit ­biogenen ­Gasen wie z. B. Bio-LPG  oder Wasserstoff ist möglich. Durch die Kopplung von Strom- und Wärmeproduktion werden die Energiekosten reduziert. So lohnt sich KWK auch für 1–2-Familienhäuser.

Je nach Quelle wurden zwischen 40.000 und 45.000 Anlagen produziert und installiert, vor allem in Mehrfa­­mi­lienhäusern, Gewerbebetrieben und kommunalen Liegenschaften. In den Hochzeiten – etwa Mitte der 2000er‑Jahre – lag die Jahresproduktion bei über 3.000 Einheiten pro Jahr. Der Standort Schweinfurt war dabei nicht nur Montage‑, sondern auch Entwicklungs‑, Schulungs‑ und Kompetenzzentrum: Die enge Verzahnung mit einem bundesweiten Netz aus rund 1.000 SHK‑Partnerbetrieben und ­SenerTec‑Centern machte das Unternehmen zu einer ­festen Größe in der Heizungs‑ und KWK‑Branche.

Seit 2009 gehört SenerTec zur niederländischen BDR‑Thermea‑Gruppe. Der Mutterkonzern hat eine Verlagerung der Dachs-Fertigung in andere Werke des euro­päischen Produktionsnetzwerks beschlossen. Service, Ersatzteilversorgung und Kundenbetreuung sollen weiterhin aus Schweinfurt erfolgen. Von der Werksschließung sind deutschlandweit rund 200 Arbeitsplätze betroffen, davon 76 ­direkt in Schweinfurt.

Die Entscheidung der Konzernspitze stieß auf heftige Kritik – von der Belegschaft, der IG Metall, der Lokalpolitik, dem SHK‑Handwerk und der KWK‑Fachöffentlichkeit. U. a. war die Rede von einer „wirtschaftlich und strategisch nicht nachvollziehbaren Fehlentscheidung“ (IG Metall) und „Steinzeitkapitalismus“ (Gewerkschaftssekretär Matthias Gebhardt).

Betriebsrat und IG Metall setzen sich gemeinsam für den Erhalt der SenerTec-Werks ein und forderten die Prüfung von ­Alternativen zur Schließung, Investitionen in neue, zukunftsfähige Produkte sowie ein belastbares Zukunftskonzept für den Standort Schweinfurt.

Die Verhandlungen mit der IG Metall sind jedoch gescheitert. Das von Arbeitnehmerseite ausgearbeitete Konzept für die Zukunft des Standorts wurde vom Konzern zurückgewiesen. Am 18. Juni 2026 hat der Betriebsrat erklärt, die Fertigung am Standort habe keine Zukunft mehr.

www.senertec.de
www.bdrthermeagroup.com

 

 

 


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