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DVFG-Regionaltagung West in Dortmund - Autogastankstellen: Neue Vorschriften könnten Kostenlawine auslösen


Die diesjährigen Regionaltagungen standen im Zeichen mehrerer technischer Herausforderungen, mit denen sich der DVFG konfrontiert sieht. Von der 15-jährigen Prüffrist für Flüssiggasflaschen, über ein für mehrere Verbände verbindliches Werkstätten-Zertifizierungsverfahren für Autogas-Umrüstungen, bis hin zu den Autogas-Gemischen und neuen technischen Auflagen bei Autogastankstellen, reichte die Palette der Themen in diesem Frühjahr.

 

Leiteten die Regionaltagung West in Dortmund: (v.l.) Dr. Wilhelm-August Buckermann (Referatsleiter Technik beim DVFG), Klaus Reckmann (neuer Obmann Region West) und DVFG-Hauptgeschäftsführer Robert Schneiderbanger.

 

Weil Klaus Oberste-Wilms von der Westfalen AG nach drei Jahren turnusgemäß als Obmann ausscheidet, standen auf der Tagung auch Neuwahlen auf dem Programm. Der von der Region vorgeschlagene bisherige Stellvertreter Klaus Reckmann wurde von ihr als neuer Obmann vorgeschlagen, der sodann ohne Gegenkandidaten einstimmig gewählt wurde. Zu seinem Stellvertreter kürte das Auditorium ebenfalls einstimmig Jürgen Wagenpfeil, der von DVFG-Hauptgeschäftsführer Schneiderbanger als „ausgewiesener Flüssiggas-Fachmann“ ausdrücklich für das Amt empfohlen wurde.
Sowohl Reckmann als auch Wagenpfeil nahmen die Wahl an, bedankten sich bei den Teilnehmern der Tagung für das entgegengebrachte Vertrauen und versprachen, ihr neues Amt nach bestem Wissen und Gewissen ausfüllen zu wollen. Wagenpfeil: „Ich freue mich auf die Zusammenarbeit“, sagte er dem Audito­rium.

Weitere Veränderungen präsentierte Schneiderbanger in Form neuer DVFG-Broschüren und Mappen, die seit dem Wechsel von der Werbeagentur FP Werbung Frido Flade zur Agentur Sagross in neuem Design erschienen sind.
Dabei steche der sogenannte Autogas-Atlas des Verbandes besonders positiv hervor. Schneiderbanger bezeichnete die Broschüre als „vollen Erfolg“. Allein die 2. Neuauflage habe nun als zusätzliches Feature Markierungen für Autohöfe und sei sowohl bei Endverbrauchern als auch bei Tankstellenbetreibern und -pächtern sehr positiv aufgenommen worden.

Insgesamt sei die Kommunikationsarbeit im laufenden Jahr sehr gut aufgestellt. Das Schwerpunktthema sei wohl weiterhin Autogas mit rund 3000 Veröffentlichungen, aber auch das Thema „Heizgas“ sei gut in den Medien durch die Artikel der Presseagentur Brendel vertreten. Der Veröffentlichungsstand hier liegt bei cirka 500 Beiträgen für 2008. Weitere Beiträge aus dem Hause Brendel betrafen die flüssiggasgetriebenen Heizstrahler, die in der Vergangenheit zu Unrecht in die ökologisch motivierte Kritik geraten seien.
In diesem Zusammenhang regte Reckmann an, verstärkt Kombinationsmöglichkeiten von Flüssiggas mit anderen Energien – auch Hybrid-Lösungen genannt – in die Medien zu transportieren. Gerade die Kombination Flüssiggas-Solarthermie böte hier noch große Chancen am Markt, die es gelte, offensiv zu kommunizieren.

Anzeigenschaltungen sehr erfolgreich
Als sehr erfolgreich haben sich auch die Anzeigenschaltungen des Verbandes in Print-Medien gezeigt. Diese seien, so Schneiderbanger, in 2008 bisher sehr erfolgreich verlaufen. Auf Vorschlag der Werbeagentur Sagross seien auch in der Bahn-Zeitschrift „DB mobil“ einige Inserate platziert worden. Gerade aufgrund dieser Anzeigen habe der DVFG verstärkt Zuschriften und Anfragen zu den Themen Heizgas und Autogas – auch per E-Mail – erhalten. Anzeigen des Verbandes wurden u.a. im BHW-Magazin, in der Zeitschrift „Wohnen“, in der „DB mobil“ und in der „Ökotest“ platziert. Beim Suchmaschinen-Anbieter Google sei man mit dem Tool Ad-Words zurzeit in
der Online-Marketing-Testphase, betonte Schneiderbanger dieses moderne Engagement.
Als sehr gelungen bezeichnete er die Zusammenarbeit mit dem Axel-Springer-Verlag in Berlin. In Sonderbeilagen berichteten „Die Welt“ und „Die Welt am Sonntag“ und „Berliner Morgenpost“ über Autogas mit all seinen Themenfacetten.
„Insgesamt hat sich das Thema Autogas eindeutig gegenüber Erdgas durchgesetzt“, resümierte er vor den Teilnehmern. Allerdings sei der Markt der Autogasanbieter wesentlich diversifizierter als der der Anbieter im Wärmemarkt. Bedauerlich sei hier besonders, dass die Westfalen AG als Verbandsmitglied zum Ende des Jahres ausscheiden werde.

Für den Bereich des Autogas-Absatzes gab Schneiderbanger konkrete Zahlen bzw. Hochrechnungen bekannt. Danach gab es im Jahre 2005 nur 65.000 Fahrzeuge, im folgenden Jahr verdoppelte sich die Anzahl fast auf 125.000, gefolgt von einer Steigerung auf 200.000 in 2007. Aktuell gibt es rund 285.000 (Stand Oktober 2008) Fahrzeuge im deutschen Bestand, nicht mitgerechnet Tausende an Pendlern, die täglich in Deutschland tanken. Der Autogas-Absatz der DVFG-Mitgliedsunternehmen stieg von 153.498 t (2006) auf vermutlich 200.000 (Prognose) in 2008.

Sehr erfreulich sei auch, dass mehrere Automobilhersteller weitere autorisierte Umrüstlösungen im deutschen Markt anbieten würden. Hierzu gehört zum Beispiel Citroën. Dieser Hersteller hat mittlerweile fast alle Pkws mit Autogas-Anlagen „als Händlerlösung“ im Angebot. Außerdem werde auch der andere französische Produzent, Peugeot, in 2009 auftrumpfen. Zunächst werde der Transporter „Expert“, später die komplette Benzin-Pkw-Modellreihe ebenfalls als autorisierte Umrüstlösung auf dem deutschen Markt angeboten.
Höchst interessant sei, so merkte Schneiderbanger an, dass Ford den C-Max und den Focus, einschließlich der Kombi-Variante „Turnier“, als Werkslösung im deutschen Markt erfolgreich platziert habe. Summa summarum gebe es mehr als 60 Modelle im deutschen Markt als LPG-Variante.

Mischungsverhältnis bleibt ein Thema
Im Zusammenhang mit den neuen Autogas-Lösungen im deutschen Markt sprach Schneiderbanger auch die existierenden Mischungsverhältnisse an. Hierbei verwies Reckmann nochmals darauf, dass der DVFG bereits vor mehreren Wochen für seine Mitglieder eine Empfehlung ausgesprochen hatte, wonach es wünschenswert sei, ein 60/40- (Propan/Butan) bzw. ein 40/60-Gemisch je nach Jahreszeit (Winter-/Sommergemisch) an die Tankstellen auszuliefern. Auch wenn viele Tankstellen eine Auszeichnung des aktuellen Mischungsverhältnisses vornehmen würden, bestünde hierzu aber keine Verpflichtung, ergänzte Dr. Wilhelm-August Buckermann. Eine Auszeichnung bestünde lediglich für die DIN EN 589 auf Basis der 10. BImSchV.
Den Grund für die Thematisierung des Mischungsverhältnisses lieferten Anfragen vieler Autogas-Fahrer, die sich beim DVFG gemeldet hatten, erklärte Schneiderbanger. Die Fahrer verwiesen häufig auf eine mögliche längere Strecke, die mit dem Fahrzeug erzielt werde, wenn der Butan-Anteil höher sei. Um diese oft geäußerte Vermutung zu verifizieren, regte Reckmann an, „eine Studie bei der THW Saarbrücken in Auftrag zu geben, die darüber Aufschluss gibt, inwieweit das Mischungsverhältnis tatsächlich eine Rolle spielt“.

Zertifizierung von Werkstätten
Ein weiteres wichtiges Thema auf der Regionaltagung war die anstehende Zertifizierung von Werkstätten, die ­derzeit Autogas-Anlagen einbauen. Hier habe man im entsprechenden verbandsübergreifenden Arbeitskreis (AK) von DVFG, VDGI (Verband Deutscher Gasanlagen-Importeure) und VDAfG (Verband Deutscher Autowerkstätten für Gasantrieb) bereits große Fortschritte erzielt. Dennoch gebe es noch vier vergleichsfähige Vorschläge, über die im AK noch kein abschließender Konsens erreicht werden konnte.
Auf Basis der noch zu treffenden Einigung will der DVFG dann die Liste, der mit von DVFG-Mitgliedern geprüften Umrüster durch die Auflistung zertifizierter Werkstätten er­-setzen. Der Verband wird dann auf seiner Website www.dvfg.de empfehlen, nur bei diesen Betrieben das Fahrzeug um-rüsten zu lassen. Gewünscht sei seitens des DVFG, dass mehrere von den im AK zusammengeschlossenen Verbänden akzeptierte Zertifizierungsverfahren am Markt existieren sollen, um hier den Wettbewerb zu fördern, und um damit die Preise der Zertifizierungsprozedur für die Werkstätten niedrig zu halten.

Autogastankstellen: VdTÜV Merkblatt 513
In einem kleinen Extra-Referat informierte Dr. Buckermann über die Überarbeitung des VdTÜV-Merkblattes 513 („Autogastankstellen“):
Die Überarbeitung dieses Regelwerkes wurde ursprünglich durch die Bundesländer angestoßen, um den Anfahrschutz bei oberirdischen Behältern und die diese betreffenden Brandschutzmaßnahmen neu zu regeln. Einsprüche und Kommentare des DVFG wurden hierbei berücksichtigt. Das entsprechende Merkblatt erschien, so Buckermann, Mitte September (DVFG-Rundschreiben vom 18. September 2008).

Allerdings droht nun, mit der Überführung der jetzigen TRbF 40 „Tankstellen“ (TRbF = Technische Regel für brennbare Flüssigkeiten) in eine TRBS „Tankstellen“, ein ernstes Problem auf die Flüssiggaswirtschaft zuzukommen.
Sollten die aus Sicht der Flüssiggaswirtschaft übertriebenen Sicherheitsvorkehrungen, die hier geplant sind, tatsächlich umgesetzt werden, so müssten „80 bis 90% der oberirdischen Autogas-Tanks unter die Erde verbannt werden“, sagte DVFG-Vorstandsvorsitzender Hanns Richard Hareiner vor den Teilnehmern. Damit würden extrem hohe Zusatzkosten auf einige DVFG-Mitglieder zukommen.
Darum wurde zur Aufarbeitung der Problematik ein Ad hoc-Arbeitskreis gebildet, der die weiteren Beratungen von Verbandsseite vorbereiten soll.

Weitere Themen, die Dr. Buckermann anschnitt, waren die „15-jährige Prüffrist bei Flüssiggasflaschen“, die Be­handlung von „Bodenventilen bei Flüssiggas-Tankwagen“ in der sich international in Abstimmung befindenden ADR/RID 2009-Richtlinie, und die „Stichtagsgenaue Prüfung bei Flüssiggasbehältern“.

In seinem Vortrag verwies Buckermann auch auf das am 1. Juni 2007 in Kraft getretene einheitliche Chemikalienrecht REACH. Flüssiggas wird hier ebenfalls explizit genannt, jedoch wird ihm in der Richtlinie ein Sonderstatus eingeräumt (Anhang V der REACH-Verordnung). Über die konkreten Entwicklungen wird der DVFG seine Mitglieder weiterhin zeitnah informieren.

Aktivitäten des Sicherheitsdienstes
Buckermann skizzierte ebenfalls die Aktivitäten des Flüssiggas-Sicherheitsdienstes FSD im Zeitraum Januar bis Anfang September 2008:
In diesem Zeitraum gingen 114 Anrufe in der Telefon-Leitstelle ein, von diesen waren 40 flüssiggasrelevant. In der Folge von 10 dieser Anfragen war eine konkrete Hilfestellung oder ein Einsatz erforderlich. Bei vier Fällen war schließlich aktive Hilfe vor Ort durch Sachverständige notwendig.

Um weitere Leitsachverständige für die Aufgaben des FSD zu werben, wurden Anfang Juli 2008 die Mitgliedsunternehmen angeschrieben, um entsprechende Mitarbeiter zu benennen. Für die sieben hierdurch neu gewonnenen Interessenten wurde nun am 28. November ein Einführungstag in Berlin abgehalten.

 


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