Biodiesel: Wie viel Öko steckt drin?
Die sogenannte Biodieselbeimischung in Europa enthält bis zu einem Drittel Palmöl. Dadurch trägt diese nach Ansicht der Umweltschutzorganisation Greenpeace beim Tanken zur Zerstörung der letzten Urwälder der Erde bei. Das wollen die Umweltlobbyisten bei einem europaweiten Dieseltest herausgefunden haben.
Insgesamt sind Dieselproben von 92 europäischen Tankstellen auf ihren Biodieselanteil hin analysiert worden. Genommen worden sind die Stich-
proben in Deutschland und acht weiteren europäischen Ländern. Deutschland liegt mit je acht Prozent Palm- und Sojaöl in der Beimischung im europäischen Mittelfeld. In Italien etwa wird der Agrodieselanteil aus durchschnittlich 37 Prozent Palmöl hergestellt, in Frankreich aus 28 Prozent Sojaöl. Zwar gelten seit Anfang dieses Jahres EU-weit Nach-
haltigkeitskriterien für die Beigabe von „Sprit vom Acker“. Dabei gehe die europäische Gesetzgebung aber „an der Realität vorbei“, meint Gesche Jürgens, Waldexpertin bei Greenpeace. Denn dies führe de facto dazu, dass stattdessen Urwälder in Indonesien und Brasilien für den Lebensmittelanbau gerodet würden.
Um dem entgegen zu steuern, hat jetzt die EU-Kommission beschlossen, die bestehenden Nachhaltigkeitskriterien auf außereuropäische Importe auszuweiten. Demnach dürfen für die Öl-Herstellung verwendete Pflanzen unter anderem nicht in Naturschutzgebieten angebaut werden oder auf Flächen, die auf natürliche Weise große Mengen Kohlenstoff binden wie etwa naturnahe Wälder und Torfgebiete. Die jetzt von der EU anerkannten Prüfsiegel sollen die Einhaltung der Kriterien gewährleisten. Unter anderem werden Prüfer in die Anbaugebiete entsandt.
Die EU will den Anteil von Biobeigaben von aktuell maximal sieben Prozent bis zum Jahr 2020 auf zehn Prozent steigern. Das Institut für Europäische Umweltpolitik (IEEP) hat errechnet, dass für dieses Ziel eine Anbaufläche von sechs Millionen Hektar, die doppelte Größe Belgiens, nötig wäre. Schon jetzt reichen die einheimischen Rohstoffe in Europa laut Umwelt-
schutzverbänden nicht aus, um die aktuellen Beimischungsquoten zu erfüllen.
„Agrosprit ist der falsche Weg, um den Ausstoß von klimaschädlichem CO2 im Verkehrssektor zu erreichen“, sagt Jürgens. Ähnlicher Meinung ist auch der ADAC. Berücksichtige man die indirekten Landnutzungsänderungen, seien pflanzliche Treibstoffe viel klimaschädlicher als fossile Kraftstoffe. „Was wirklich etwas für den Klimaschutz bringt, sind verbrauchsärmere Autos und alternative Verkehrskonzepte“, so die Greenpeace-Expertin.