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81. Internationaler Automobil Salon, Genf:LPG Nebensache, dafür viel „Elektroschrott“


Der Genfer Salon wird in der Branche als der klassische Auftakt zur jährlichen Messesaison und damit als richtungsweisend angesehen. Über 735 000 Besucher ließen sich dieses Jahr für das Thema Automobil begeistern. Die Aussteller erklärten sich, wie sollte es auch anders sein, überaus zufrieden mit der Messe, die das definitive Ende der Krise im Automobilsektor versinnbildlichen soll. Noch nie waren so viele Neuheiten vorgestellt worden. „Das Publikum zeigte sich vor allem an den umweltfreundlichen Alternativtechnologien interessiert“ ließ die Messeverwaltung über ihre Pressestelle mitteilen, doch die Realität sah anders aus.

 

 

 

Tatsächlich wurden in Genf lediglich ein paar altbekannte Erdgasfahrzeuge präsentiert, die den aufmerksamen Besuchern schon hinlänglich bekannt sein dürften. Dazu zählten beispielsweise der Erdgas-Passat und der Mercedes 200 NGV. Außerdem kokettierte man noch mit einem „Fiat 500 erdgas turbo“, der nur 72 g CO2 emittieren sollte. Erst bei näherem Hinsehen erkannte man den Grund: 80 g CO2, die das Fahrzeug normalerweise ausstößt, wurden noch einmal um den 10 %igen Schweizer Biogasanteil reduziert. Macht dann exakt 72 g. Eine eher grenzwertige Art der Rechnung.

Einfach zu teuer: 700 Euro Leasing für den Smart und 900 Euro für den F-Cell von Mercedes, da schauen viele Autofahrer lieber nach preiswerteren Alternativen.


Futuristisch anmutend und sicherlich absolut kein automobiler Mainstream: So sahen die Fahrzeuge auf dem Salon Vert, dem grünen Salon, aus.

 

Die eigentliche, bahnbrechende Neuerung, die die Messe zu bieten hatte, der Kia Picanto Bi-Fuel, der ohne irgendwelche kleinen „Schummeleien“ 90 g CO2 im Betrieb mit Autogas ausstößt, blieb weitgehend unbeachtet. Dabei hätte das Fahrzeug, dass an anderer Stelle dieser Ausgabe ausführlich vorgestellt wird, wesentlich mehr Aufmerksamkeit verdient. Bleibt nur der Trost, dass letztlich der Kunde und nicht die in der Schweiz sehr erdgaslastige Politik darüber entscheidet, was auf Europas Straßen fährt.

Interessanter war da schon der „Salon Vert“. Wer den Durchgang zum „grünen Salon“ zwischen den Ständen von Smart und Kia tatsächlich gefunden hatte, wusste, warum die Messegesellschaft in Genf zwar medienwirksam darauf aufmerksam machte, die Besucherströme jedoch geflissentlich daran vorbei lenkte. Die dort präsentierten Exponate muteten an wie von einem anderen Stern, Captain Kirk und Raumschiff Enterprise lassen grüßen.

Zumindest den automobilen Mainstream trafen da noch der Mercedes-Benz F-Cell und der kleine Elektro-Smart. Ernüchterung erfolgte bei der Frage nach dem Preis: „Den kann man nicht kaufen!“ wehrten die Mercedes-Mitarbeiter ab. Tatsächlich ist nur Leasing möglich, und zwar für 900 Euro pro Monat. Dafür erhält man, dass sei der Ordnung halber erwähnt, ein perfektes Elektrofahrzeug auf höchstem Standard. Mit einem kleinen Pferdefuß: Die Reichweite beträgt höchstens 150 km, im Winter deutlich weniger und selbst die Stromkosten fallen noch zusätzlich ins Gewicht. Für den Smart, der mit einer Batterieladung gerade einmal gut 100 km weit kommt, möchte die Mercedes-Tochter immerhin noch 700 Euro monatlich überwiesen haben. Auch hier ist der Kauf nicht möglich. Bei sorgsamer Überlegung muss man nicht unbedingt ein ausgewiesener Automobilexperte sein, um zu beurteilen, dass es für 700 Euro monat­liche Leasing­rate ein paar attraktivere und alltagstauglichere Modelle gibt als einen Smart mit wiederaufladbaren Batterien. Diese Beispiele ließen sich anhand der in Genf vertretenen Elektrofahrzeuge beliebig fortsetzen.

Bislang taugt die e-Mobilität maximal als Werbegag für einige Stromversorger, nicht aber für den automobilen Alltag. Bis es soweit kommen wird, dürften wohl noch Jahrzehnte vergehen. Eine ernsthafte Konkurrenz für autogasbetriebene Fahrzeuge ist, nüchtern betrachtet, noch lange nicht in Sicht. Bleibt festzuhalten, dass der Genfer Salon aus Sicht der Flüssiggasversorger immer noch keine Reise wert ist. Doch ein Trost bleibt zumindest dem Ästheten: Genf wartet von allen automobilen Messen immer noch mit den schönsten Modells auf, die ihr Tagwerk auf den höchsten High Heels aller europäischen Automobilausstellungen verbringen. Das war‘s dann aber auch schon.

 

 


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