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24h-Rennen 2026: Immer mehr alternative Kraftstoffe


Das diesjährige 24h-Rennen am Nürburgring fand vor einer Rekordkulisse statt. Positiv auch: Das Interesse der Teams an alternativem Sprit war fast größer als die zur Verfügung stehende Tankfläche.

 

Wenn in der Eifel der Regen einsetzt, sind Tanken und Reifenwechsel angesagt. Dann kann es schon einmal eng werden an der Tankfläche für die alternativen Kraftstoffe. Das kostet unnötig Zeit und Nerven. (Bild: Wolfgang Kröger)

 

Natürlich verträgt auch die Rennsport-Version des Aud R8 den Performance-Sprit Shell E20 R60 mit 103 Oktan. (Bild: Wolfgang Kröger)

 

Wenn das 24h-Rennen auf dem Nürburgring als Gradmesser für die alternativen Antriebe – sprich ReFuels bzw. eFuels – gilt, hätte das Thermometer an den Renntagen eigentlich hochsommerliche Temperaturen anzeigen müssen. Stattdessen gab es teils trübes Eifelwetter und auch die Stimmung bei den Rennställen, die ihre Fahrzeuge mit den alternativen Antrieben einsetzten, passte sich der Witterung an.

Der Beitrag der Veranstalter zu mehr Klimafreundlichkeit im Verkehrssektor und speziell im Rennsport hielt sich in Grenzen: Sie gewährten den neuen Kraftstoffen, die sogar schon an Tankstellen verfügbar sind, keinen Zugang zu den offiziellen Betankungsanlagen, sondern wiesen ihnen die Tankfläche für die ­„Alternativen“ am Eingang der Boxengasse zu. Trotz professionell mit neuen Tank­anlagen ausgestalteter Tankfläche er­gaben sich dadurch für die Nutzer der neuen, umweltfreundlicheren Kraftstoffe nicht zu übersehende sportliche Nachteile: Sie mussten zunächst den Tankvorgang an der Tankfläche für die alternativen Kraftstoffe absolvieren und konnten  dann erst weiterfahren zum Fahrer- und Reifenwechsel an die Box, während die Teams mit herkömmlichen Kraftstoffen diese Arbeiten parallel erledigen konnte

Die verlorene Zeit ist auch durch die bessere Performance der CO2-armen Kraftstoffe kaum wettzumachen.

Der Stimmung der 352.000 Zuschauer am Nürburgring und der 6,2 Mio. Fans  vor den heimischen Bildschirmen tat das allerdings keinen Abbruch. Sie bekamen – nicht zuletzt dank der Teilnahme von Formel 1-Star Max Verstappen – spannendste Rennkost mit heißen Positionskämpfen bis zum Ende der 24 Stunden serviert.

 

Max Kruse Racing Vorreiter

Als Vorkämpfer der alternativen Kraftstoffe gilt das Team Max Kruse Racing, das mit zwei Audi R 8 LMS GT3 Evo II und drei VW Golf GTI Clubsport bzw. 24h an den Start ging. Alle nutzten Shell E20 R60, wobei die Zahl 60 für den Anteil an nachhaltigen Komponenten im Kraftstoff steht. Langfristiges Ziel ist es, die Nachhaltigkeit auf 100 % zu erhöhen.

Griesemann-Porsche mit eFuels

Das Team Giesemann setzt auf einen Kraftstoff, der Rahmen des DeCarTrans-Projekts produziert wird, einem Forschungsprojekt an der TU Bergakademie Freiberg, gefördert vom Bundesministerium für Verkehr. Das dabei hergestellte eFuel basiert auf eMethanol, das aus grünem Wasserstoff und abgeschiedenem CO2 gewonnen. Es kann ohne technische Anpassungen in bestehenden Ver­brennungsmotoren eingesetzt werden. Das Team betreibt damit den giftgrünen Porsche 911 GT3 Cup MR.

 
Performance gegeben

Beide Teams wollen zeigen, dass man nicht an fossilen Kraftstoffen festhalten und sich nicht nur auf Elektromobilität konzentrieren sollte. Alternative Kraftstoffe sind ebenfalls eine Zukunftstech­nologie, bei der man nicht auf Performance verzichten muss und die man in bereits gebauten Fahrzeugen einsetzen kann.

 
Rennsport im Wandel

Berücksichtigt man die Freigaben von VW, BMW und Mercedes für E20 bzw. E25 und die allgemeine Entwicklung auf dem Kraftstoffmarkt, kann man die Entwicklung auf dem Nürburgring nur mit Verwunderung betrachten: Während eFuels und ReFuels bereits offiziell an den Tankstellen in Deutschland getankt werden können, favorisiert man am Ring weiterhin konventionelle Kraftstoffe.

Eines sollte den Ring-Offiziellen zu denken geben: Die emotionslose Formel E, angetrieben mit Strom aus Diesel-Generatoren, kennt keine Zuschauer­zahlen in dieser Größenordnung. Und auch Publikumsmagnet Max Verstappen hat öffentlichkeitswirksam den hohen E-Anteil in der Formel 1 mit all seinen Nachteilen kritisiert.

Am Nürburgring wäre man gut beraten, den alternativen Kraftstoffen mehr Raum zu geben, um das Event 24h-Rennen auf Jahre erfolgreich weiterführen zu können.

Text: Wolfgang Kröger

 


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