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115-Städte-Studie Tankbetrug


Die sommerliche Hauptreisezeit ist die Hochzeit der Tankbetrüger. Jede fünfte Straftat in Deutschland ereignet sich in den acht Wochen des Juli und August. So etwa am 28. Juli 2015 um 18:35 Uhr an einer Tankstelle in Bergisch Gladbach: Unbekannte tanken sage und schreibe 270 l Super und verschwinden ohne zu bezahlen – dank gestohlener Kennzeichen – auf Nimmerwiedersehen.


 

Tankbetrugdelikte in Deutschland

 

So oder so ähnlich läuft es immer wieder beim sogenannten Tankbetrug ab. Allein im Jahr 2014 waren es insgesamt 86 358 angezeigte Delikte. Das geht aus Recherchen des Verbraucherportals für Produkt- und Preisvergleiche billiger.de hervor.

 Während der Benzinpreis in den vergangenen Jahren immer neue Höhen erklommen hat (2012: Ø 1,64 Euro Super E5, Ø 1,48 Euro Diesel), stieg auch die Anzahl der Delikte  - im Jahr 2013 auf über 91 000. Seit mehr als zwölf Monaten geht der „Spritpreis“ zurück und die angezeigten Straftaten nehmen ab. Die Entscheidung über das Für und Wider und die kriminelle Energie zum Tankbetrug läuft bei den deutschen Autofahrern über ihre Geldbörse.

Ein ganz heißes Pflaster für Tankwarte ist Berlin. Denn gemessen an der Anzahl der Tankstellen werden in der Hauptstadt die meisten Betrugsfälle angezeigt: Jede Berliner Tankstelle wird durchschnittlich – statistisch betrachtet – 24 Mal im Jahr von Tankbetrügern heimgesucht. Damit liegt die Stadt um 265 % über dem 115-Städte-Durchschnitt von sieben Delikten. Auf Platz zwei findet sich Solingen, auf Platz drei Bottrop.

Auch bei den absoluten Straftaten kann keine andere Stadt Berlin „das Wasser reichen". Insgesamt verbuchte die Hauptstadt 7006 angezeigte Delikte im Jahr 2014. Das sind rund 20 Straftaten pro Tag. Mit weitem Abstand folgt Hamburg. Dort zählten die Behörden 2 697 Delikte. Es folgen Köln mit 1989, Frankfurt am Main mit 1 218 und Dortmund mit 1 039 Straftaten. Positives Schlusslicht ist Aalen. Nur 15 Anzeigen gingen im Jahr 2014 bei den Behörden ein. Bei etwa 20 Tankstellen im Stadtgebiet macht dies weniger als eine Straftat pro Jahr und Tankstelle. Ebenfalls kaum Probleme mit „Spritdieben“ gibt es in Fürth, Pforzheim, Esslingen, Stralsund, Celle und Bayreuth.

Auf Länderebene findet die Polizei in Mecklenburg-Vorpommern am häufigsten die Tatverdächtigen. 61,3 % der Fälle konnten gelöst werden. Ganz mau sieht es in der Betrugshochburg Berlin aus, nur 21,8 % der Straftaten im Jahr 2014 konnten aufgeklärt werden (2013: 24,5 %). In den untersuchten Städten ist das Gefälle noch größer. Im oberpfälzischen Weiden kommen die Ermittler auf eine Aufklärungsquote von 91,9%. Düster sieht es in der Betrugshochburg Solingen aus: Nur 13,6 % Aufklärungsquote (2013: 16 %).

Bei der Täterstruktur gab es gegenüber den Vorjahren kaum Veränderungen. Noch immer ist der typische „Spritdieb“ männlich, zwischen 30 und 50 Jahre alt und wohnt meist auch in derselben Gemeinde, in der die „betrogene“ Tankstelle liegt. Fakt ist: Die oft beschworenen Videoüberwachungssysteme sind teuer und können den Tankbetrug nicht verhindern – sie können vielleicht für „Otto-Normal-Verbraucher“ abschreckend wirken. Die beste Anlage nützt nichts, wenn die Täter mit gefälschten oder gestohlenen Nummernschildern vorfahren und zudem ihre eigene Identifizierung durch einen entsprechenden Kleidungsstil erschweren.

 


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